Selina Hotels mit zwei neuen Standorten in Berlin

Mit gleich zwei Häusern betritt eine weitere Hotelkette den Berliner Hospitality-Markt: Selina Hotels aus Südamerika. Die Gruppe begreift sich als Mischung aus Hotel, Hostel und Coworking Space, gemacht für digitale Nomaden jeden Alters und Geldbeutels. Die Hotel sind individuell gestaltet, dabei wird bei Übernahmen so viel wie möglich vom Vorgänger bewahrt und recycelt. So auch im neuen Haus am Olivaer Platz in Sichtweite zum Kurfürstendamm. Im einst herrschaftlichen Eckaltbau, war bis Mitte 2018 ein in die Jahre gekommenes, schlecht bewertetes Apart-Hotel untergebracht.
„Bei der Suche nach neuen Objekten geht es immer um die Lage“, erklärt Magnus Busch, Selinas Head of Growth für Deutschland und Österreich. „und mit Lage meine ich People, denn die Menschen machen die Lage.“ Dort wo sich Menschen gern aufhalten, entstünde ein Mehrwert. Selinas Philosophie setze darauf, diesen Mehrwert zu heben: „Durch unser Konzept können wir für unterperformende Hotels extreme Wertsteigerungen mit vergleichbar geringem Investment realisieren. Wir machen aus einer grauen Maus eine Topdestination“, so Busch. Beim Investment arbeitet man mit Partnern vor Ort zusammen, die die Immobilie kaufen und an Selina verpachten.
Zu Beginn des Umbauprozesses hat ein Selina-Voraustrupp aus Innendesignern, Handwerkern und Restaurateuren im vierten Stock eine Werkstatt eingerichtet und in einem kreativen Prozess nach und nach das Haus umgestaltet. Zielstellung war: Schätze bergen und eine eigene DNA für das Haus entwickeln. So wurden etwa die hölzernen Zimmertüren, die aus Brandschutzgründen modernen Türen weichen mussten, zu Tischen für die Lobby umgebaut und ein Empfangs-Desk daraus gezimmert. Hunderte leerer Weinflaschen, die das Team im Keller gefunden hat, wurden zu einem breiten Tresen für die Bar im Erdgeschoss aufgeschichtet. Aus umgearbeiteten Möbeln werden kunstvolle Wanddekorationen.
Selina Hotel Berlin-Olivaer Platz Bett vor bemalter Wand.
Auch sonst ist die Innengestaltung des Hotels mit „rough and ready“ treffend beschrieben: Die alten Teppiche wurden entfernt und darunter verborgene Holzböden aufbereitet. Ebenso erging es den Raufasertapeten: Die dahinter liegenden Wände wurden gereinigt und von lokalen Künstlern mit aufgemalten Bildern verziert. In den großen Altbauräumen sind bis zu acht Schlafplätze in Doppelstockbetten untergebracht, die wie bei einem Hostel einzeln vermietet werden. Insgesamt stehen in 90 Zimmern 294 Betten zur Verfügung. Die kleineren Zimmer mit Einzel- oder Doppelbetten werden hotelüblich zimmerweise abgegeben. In jedem Selina-Hotel gibt es auch eine Loft-Suite, ein besonders großzügiges, aufwändig gestaltetes Zimmer, das mit einem Plattenspieler und einem Beamer ausgestattet ist – alle übrigen Zimmer müssen ohne Entertainment auskommen: Fernseher und Telefon sucht der Gast vergebens; von einer Minibar ganz zu schweigen.
„Wir wollen, dass die Menschen so viel wie möglich miteinander kommunizieren, und nicht allein auf dem Zimmer sitzen“, sagt Max Oehler, Managing Director bei der Berliner Selina Hotels, Max Oehler. Deshalb gibt es außer dem Café-Restaurant mit Snack-Kiosk im Empfangsbereich, der separaten Bar und dem Frühstücksraum auch zusätzliche öffentliche Flächen wie den Coworking-Space im zweiten Stock und den Multifunktionsraum, in dem Lesungen, Yoga-Kurse und Filmvorführungen stattfinden können. Daneben wird eine Bestandsbibliothek mit 600 Büchern eingerichtet. Nur für einen Fitnessraum war kein Platz mehr. Stattdessen wird man Sportaktivitäten über eigene Mitarbeiter anbieten wie Pilates oder Jogging-Runden, außerdem ist eine Kooperation mit einem Sport Club oder einer entsprechenden App vorgesehen, über die sich Gäste Zugang zu nahe gelegenen Sportstätten kaufen können.
„Die Sterne-Klassifikation eines Hotels ist für Milliennials nicht entscheidend“, so der 31-Jährige, der bereits als General Manager in Berlin und der Awaroa Lodge im Abel Tasman National Park in Neuseeland tätig war, „denn es geht ihnen um Werte und Erlebnisse.“ Deshalb würden sich sich für eine Unterkunft entscheiden, in denen eine gute Atmosphäre herrscht und in der ein attraktives Programm angeboten würde. „Die meisten Zwanzigjährigen haben ein Budget für ein Hostel, aber wenn sie älter werden und mehr verdienen, haben sie trotzdem die gleichen Interessen.“ Auch die Nachbarschaft möchte Selina einbeziehen, deshalb sind alle Veranstaltungen auch für externe Gäste zugänglich und 30% des Coworking Space für lokale Start-ups reserviert. Ein Appartement aus mehreren zusammenhängenden Zimmern wird im Rahmen einer Kooperation als Künstler-WG zur Verfügung gestellt.
Die lateinamerikanische Provenienz wird sich im Restaurant wiederfinden, wo einige Klassiker aus dem Selina-Rezeptbuch aufgetischt werden, aber auch in der Musik auf den Gängen und in den Gemeinschaftsräumen: „Für jeden Tag und jede Stunde gibt es eine eigene Playlist, die verschiedene Moods widerspiegelt“, so Oehler, „da Berlin sehr von Musik geprägt ist, wird vieles von hier zu hören sein. Aber wir werden auch unseren lateinamerikanischen Wurzeln Rechnung tragen.“
Die Preise werden dynamisch der Nachfrage angepasst. Prinzipiell ist eine Übernachtung im Mehrbettzimmer ab 20€ möglich. Die Loft Suite kostet bis zu 250 Euro. Das Selina-Treueprogramm „Luna Nueava“ ermöglicht Discounts bei Buchung auf www.selina.com. Mitglieder erhalten ein kostenloses Begrüßungsgetränk und  pro Aufenthalt eine Wellness-Aktivität gratis. In Berlin plant Selina weitere Eröffnungen geplant. „Wir schauen nach dem richtigen Deal, dann kann es schnell gehen, dann können wir auch in einem haben oder Dreivierteljahr wieder was neu aufmachen.“

Selina Hotels Berlin in Zahlen

  • Hotel Selina Olivaer Platz, Konstanzer Str. 1,
  • Hotel Selina Torstraße, 10707 Berlin / Torstraße 30, 10119 Berlin
  • www.selina.com 
  • 4.000 qm auf 5 Etagen
  • 294 Betten verteilt auf 90 Zimmer (30% der Zimmer sind Mehrbettzimmer, 70% Privatzimmer)
  • Team: 21 feste Mitarbeiter zuzüglich externes Houskeeping
  • Investition: ca. 3 Mio. € pro Haus

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